FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR STUB

 

Warum muss Erlangen überhaupt etwas tun in Sachen Verkehr?

Erlangen hat rund 110.000 Einwohner und etwa ebenso viele Arbeitsplätze. Dies ist ein sehr ungewöhnliches Verhältnis und führt dazu, dass das Verkehrsaufkommen in der Stadt etwa dem Verkehrsaufkomen einer Stadt mit 150.000 oder 200.000 Einwohnern entspricht. Das merken wir alle, jeden Tag, weil wir im Stau stehen, weil wir genervt sind vom Lärm und Dreck, oder weil wir einfach nur sehr lange brauchen, um von Zuhause zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freunden zu kommen. Besonders viele Pendler fahren täglich zwichen Erlangen und Nürnberg bzw. Erlangen und Herzogenaurach, also genau dort, wo die Straßenbahn entlang führen soll. Innerhalb Erlangens verbindet die Straßenbahn wichtige Arbeitsplätze (Uni-Südgelände, Siemens-Campus, Siemens Mitte/künftig: Philosophische Fakultät, Innenstadt) mit der Innenstadt und mit wichtigen, auch in Zukunft weiter wachsenden Wohngebieten (insbesondere Alterlangen, Büchenbach). Es wird Zeit, dass wir in Erlangen unser Verkehrsproblem angehen!

Bringt die Straßenbahn wirklich nur wenigen etwas?

Nein! Direkt hilft die Straßenbahn entlang der Trasse den Menschen in Tennenlohe und im Süden, in Röthelheim und Rathenau, und im Westen in Alterlangen und Büchenbach, und damit insgesamt mindestens einem Drittel der Erlanger Bevölkerung.
Der Stadtwesten, der in den kommenden Jahren weiter wächst, erhält eine attraktive Anbindung an die Innenstadt. Jedes System fängt einmal klein an, und später könnten über weitere Linien noch andere Stadtteile direkt angebunden werden. Indirekt hilft die StUB allen, weil sich auf den großen Achsen der Verkehr verringert. In Verbindung mit einem optimierten Bussystem macht sie den Nahverkehr in ganz Erlangen attraktiver.

 

Schon jetzt sind 300 Millionen Euro für die StUB veranschlagt. Droht nicht eine Kostenexplosion wie bei anderen Großprojekten?

In der Tat sind auf Erlanger Stadtgebiet nach heutigem Planungsstand aufwändige Ingenieursbauwerke wie die Unterquerung der Bahnlinie in der Güterhallenstraße oder die Querung des Regnitzgrundes geplant. Die Regierung von Mittelfranken hat deshalb von den an der StUB beteiligten Städten eine vertiefte Prüfung dieser Bauwerke verlangt. Die Städte haben die Bauwerke geprüft und festgestellt, dass die bisherigen Annahmen belastbar sind (Stand 2015) und es zu keinen großen Kostensteigerungen kommt. Aufgabe des Zweckverbandes ist es, diese Planungen und Kostenkalkulationen weiter zu vertiefen. Sollte es wider Erwarten zu einer unvorhergesehenen enormen Kostensteigerung kommen, hat jede der beteiligten Kommunen das Recht, vor Baubeginn den Zweckverband zu verlassen.Dazu ausführlich: Fragen-Antwort-Katalog der Bürgerinformationsveranstaltung StUB inkl. Trassenführung, Fragen 52-76

Es heißt immer, 90 Prozent Fördermittel seien zugesagt.  Wie sicher ist das?

Die Fördermittel für die Stadt-Umland-Bahn sollen vom Bund (60 %) und vom Land (30 %) kommen. Für die Förderung durch den Bund bildet das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) die Grundlage. Seit September 2013 ist das Projekt StUB in das GVFG-Bundesprogramm (Kategorie C, kommunale Projekte Bayern) eingestuft. Kategorie C bedeutet: Vorhaben bedingt aufgenommen. Eine Einstufung in die Kategorie A („Vorhaben endgültig aufgenommen“ ist erst möglich, wenn die Planung und Kostenrechnung weiter vertieft ist. Das ist die Hauptaufgabe des StUB-Zweckverbandes.
Die Bundesregierung und die Bundesländer haben sich im September 2015 darauf geeinigt, das GVFG und damit die Förderung auch nach 2019 fortzuführen. Bisher fördert das GVFG in Westdeutschland nur Strecken mit eigenem Gleiskörper. Das bedeutet, dass es für die Streckenabschnitte, in denen die Straßenbahn auf der Straße fährt, bisher keine Förderung gibt. Bayern setzt sich zusammen mit den westdeutschen Bundesländern dafür ein, dass das GVFG künftig alle Streckenabschnitte voll mit 60 % fördert.

Vom Freistaat Bayern erhalten entsprechende Vorhaben in der Regel eine Förderung von 20 %. Für die Stadt-Umland-Bahn liegt vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und von Finanzminister Markus Söder eine Zusage vor, diese Förderung auf 30 % anzuheben.Dazu ausführlich: Fragen-Antwort-Katalog der Bürgerinformationsveranstaltung StUB inkl. Trassenführung, Fragen 58, 59

Erlangen ist doch schon erfolgreicher Wirtschafts- und Wissenschaftstandort. Warum heißt es dann, wir brauchen die StUB?

Erlangen ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort, denn die Unternehmen können in einer eng vernetzten Metropolregion intensiv mit renommierten Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Unternehmen wie Siemens haben mit dem Siemens-Campus zukunftsträchtige Investitionsentscheidungen getroffen. Die Universität hat vor, sich in der Städteachse auszudehnen und damit Raum für weitere Entwicklung zu schaffen. Wirtschaft und Wissenschaft in Erlangen wollen die besten Köpfe für Erlangen werben. Dabei stehen sie in Konkurrenz zu attraktiven Metropolen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Moderne Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen schnell und zuverlässig von ihrem Wohnort zum Arbeitsplatz gelangen. Sie suchen ein attraktives und gut erreichbares Kultur- und Freizeitangebot. Genau das ermöglicht die StUB. Genau deshalb setzen sich Siemens und die Universität für die Stadt-Umland-Bahn ein. Genau deshalb spricht sich die Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken für die StUB aus. Gegenüber Siemens hat sich die Stadt Erlangen noch unter Führung von Oberbürgermeister Siegfried Balleis dazu verpflichtet, den Siemens-Campus durch die Stadt-Umland-Bahn an ein attraktives Nahverkehrssystem anzubinden.

Wie soll die Stadt-Umland-Bahn in der Stadt verlaufen?

Die StUB soll von Nürnberg an der B4 kommend entlang der Nürnberger Straße in die Innenstadt geführt werden, an den Arcaden vorbei die Bahnlinie unterqueren, den Erlanger Hauptbahnhof am Westeingang bedienen und anschließend über Büchenbach nach Herzogenaurach gelangen. Neben der Trasse, die dem Förderantrag zu Grunde liegt, sollen auch noch Varianten zur besseren Anbidnung des Siemens-Campus (über Friedrich-Bauer-Straße/Hammerbacher Straße) sowie parallel zum verkehrsberuhigten Bereich in der Nürnberger Straße (über Nägelsbachstraße) geprüft werden.Dazu ausführlich: Fragen-Antwort-Katalog der Bürgerinformationsveranstaltung StUB inkl. Trassenführung, Fragen 13- 51

Warum soll der geplante Zweckverband sich ausschließlich mit der Planung der StUB beschäftigen und nicht auch mit dem Busverkehr?

Die Planung des Nahverkehres für die Stadt Erlangen erfolgt insbesondere im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans und im Zweckverband Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Ein neues optimiertes Busnetz ist bereits geplant und vom Erlanger Stadtrat beschlossen worden.  Erste Maßnahmen sind bereits umgesetzt.

Ausführliche Informationen dazu auf den Seiten der Verkehrsentwicklungsplanung der Stadt Erlangen

Wäre es nicht viel kostengünstiger, die ehemalige Aurachtalbahn nach Herzogenaurach wiederzubeleben und nur eine Straßenbahn zwischen Erlangen und Nürnberg zu bauen?

Nein, denn die Aurachtalbahn erschließt auf dem Erlanger Stadtgebiet lediglich Frauenaurach und Kriegenbrunn, bindet aber die neuen Siedlungsschwerpunkte im Erlanger Stadtwesten nicht ein. Eine Wiederbelebung der Aurachtalbahn kann deshalb die Verkehrsprobleme nicht lösen. Da zu wenige Fahrgäste erreicht würden, wären zudem ein wirtschaftlicher Betrieb und eine Förderung unwahrscheinlich. Eine Straßenbahn, die ausschließlich zwischen Nürnberg und dem Erlanger Süden verkehrt, bindet weder den Westen der Stadt noch die Erlanger Innenstadt an und würde ebenfalls nicht genug Fahrgäste erreichen und wäre deshalb nicht förderfähig. Erlangen müsste für diese Variante also mehr bezahlen als für die StUB mit 90 %-Förderung.

Wäre ein Ausbau des Bussystems nicht viel günstiger?

Nur auf den ersten Blick. Natürlich kann man das Bussystem ausbauen und die Stadt tut es ja auch schon. Aber man darf nicht vergessen, dass auch die Straßen, auf denen die Busse fahren, unterhalten werden müssen. Sie nutzen sich durch die schweren Busse viel schneller ab (Spurrillen), und sie zu reparieren kostet Geld. Busse sind zwar billiger, ein Bus hält im Schnitt aber nur 12 Jahre, eine Straßenbahn 30 Jahre.

Außerdem: Die Stadt baut das Busnetz bereits aus (siehe Frage 4). Aber in Erlangen ist so viel Verkehr, dass die Busse einfach nicht leistungsfähig genug sind. Damit wir alle weniger im Stau stehen und schneller ans Ziel kommen, braucht es auf den großen Straßen der Stadt ein größeres Verkehrssystem, das mehr Menschen an ihr Ziel bringen kann. Das ist die Straßenbahn. Zudem steckt der Bus genau wie das Auto im Stau, wenn er keine eigene Trasse hat oder nicht durch Ampelschaltung bevorrechtigt ist. Selbstverständlich braucht Erlangen aber auch mit einer Straßenbahn ein gutes Busnetz – gerade dort, wo die Straßenbahn nicht fährt. Eine Straßenbahn und ein gutes Busnetz sind gemeinsam die beste Antwort auf die Verkehrsprobleme in Erlangen.

Der Bus ist viel flexibler als die StUB – das bringt doch mehr Fahrgäste, oder?

Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass in Straßenbahnen mehr Fahrgäste sitzen, die ihr Auto freiwillig stehen lassen als in Bussen. Dies bezeichnet man als „Schienenbonus“ und kommt daher, dass sowohl der Fahrkomfort als auch die Geschwindigkeit in einer Straßenbahn höher ist als im Bus. Ein schienengebundenes Verkehrsmittel bedeutet klare Linienführung und hohe Zuverlässigkeit. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zahl der Fahrgäste bei einer Umstellung von Bus auf Straßenbahnen (zum Teil stark) steigt. Auch wenn der Bus vorher mehr Haltestellen bedient hat oder kleinere Straßen angefahren ist – diese Flexibilität schlägt sich nicht in höheren Fahrgastzahlen nieder. Es ist auch bekannt, dass ÖPNV Nutzer lieber etwas weiter zu einer Straßenbahn-Haltestelle gehen – eine Straßenbahn zieht einfach mehr Fahrgäste an als jeder noch so flexible Bus. Die scheinbare Flexibilität des Busses ist nicht immer positiv – ich kann nicht darauf vertrauen, dass der Bus, der heute eine bestimmte Strecke befährt, diese auch noch morgen bedient. Es ist nachgewiesen, dass öffentliche und private Investitionsentscheidungen zu einer Konzentration der Stadtentwicklung entlang hochwertiger ÖPNV-Achsen führen.

Wären innovativen Verkehrssystemen, z.B. ein spurgeführten E-Busse (Bus Rapid Transit BRT) oder einfach nur Busse mit Elektro-Antrieb keine Alternative?

Nein, beide Systeme sind keine Alternative. Seit einiger Zeit wird mit Bussystemen experimentiert, die sich in der Transportkapazität einer Straßenbahn annähern. Entscheidend für die Betriebsqualität ist der Anteil der eigenen Fahrbahn. Mit ihr brauchen Busse aber sogar mehr Platz als die Bahn, da Busspuren breiter als Straßenbahntrassen sind und die Straßenbahn auf kurzen Abschnitten auch eingleisig geführt werden kann. Zudem kann die Straßenbahn auf Rasengleis unterwegs sein. Die Bus-Hersteller bieten bisher kein standardisiertes System an, während Straßenbahnen eine seit über 100 Jahren bewährte Form von Elektromobilität darstellen. In Deutschland wird entsprechend in keiner Stadt ein BRT-System betrieben, eine entsprechende Förderung wie für Straßenbahnsysteme gibt es nicht. Ein entscheidender Trumpf für die StUB ist es, dass sie einfach an das Nürnberger Straßenbahnnetz anbindet – damit können die vorhandenen Werkstätten und der Betriebshof in Nürnberg mitgenutzt werden. Für die Fahrgäste ist an der Stadtgrenze die Weiterfahrt ohne Umsteigen möglich.

Elektronisch betriebene Busse unterscheiden sich vom normalen Bus nur im Antrieb. Sie sind nicht so leistungsfähig wie die Straßenbahn, stehen auch im Stau und sind nur auf den ersten Blick günstiger.

Dazu ausführlich: Fragen-Antwort-Katalog der Bürgerinformationsveranstaltung StUB inkl. Trassenführung, Fragen 77-94

Ist die StUB eine Konkurrenz zur S-Bahn?

Nein! Die Straßenbahn erschließt das Uni-Südgelände und den Siemens Campus im Osten und den Nürnberger Norden, also neue Fahrgastpotenziale. Auch die sogenannte Interdependenzuntersuchung, von den Fördermittelgebern Bund und Land anerkannt, kommt zu dem Ergebnis, dass beide Systeme in dem Korridor Nürnberg – Erlangen sinnvoll sind.